Einen Baum ohne Wurzeln erhalten geht nicht.

Geht doch! Und zwar mittels eines Erdankersystems können standunsichere Bäume mittelfristig erhalten werden.

Im Park der FH Osnabrück-Haste haben wir letzte Woche in Zusammenarbeit mit Studenten vor Ort eine Silberlinde und zwei mit Efeu bewachsene Eichen auf diese Art und Weise gesichert.

 

Ein Vorhaben dieser Art musste sorgfältig vorbereitet und geplant werden. In diesem Fall ergab sich eine besondere Zusammenarbeit: Die Sicherung der Silberlinde wurde von zwei Studenten im Rahmen einer Hausarbeit im Fach „konstruktiver Ingenieurbau“ geplant und vom Geschäftsführer des Grünen Zweig, Oliver Tiedemann, teilweise fachlich mit betreut.

Im Rahmen der Hausarbeit wurde die Silberlinde zunächst vermessen und der Defekt beschrieben. Hier wurden 2 extrem versagensgefährdete Baumteile der Linde gegen das Versagen durch das sog. ‚Schranktürklappen‘ und Ausbruch im Stammfußbereich gesichert.

Bodenproben mussten entnommen und ausgewertet werden, die Anordnung der Seile und Verankerungspunkte geplant und festgelegt werden. Die Lasten, die von den Erdankern bei Winddruck gehalten werden müssen, mussten berechnet werden.

Des Weiteren ließ die Fachhochschule vor den Bodenarbeiten mit den Erdankern den gesamten Nutzungsbereich für die Erdanker bis in ca. 6 m Tiefe durch ein Kampfmittelsuchunternehmen eingehend untersuchen, da an dem Standort der Bäume das Vorhandensein von Bomben aus dem 2. Weltkrieg, gemäß Luftbildauswertungen sehr wahrscheinlich war.

Letzte Woche wurden die von den Studenten geplanten Sicherungen der Silberlinde und der zwei Eichen dann von unseren Baumpflegern in die Praxis umgesetzt:

Dazu wurden Erdanker an den vom Kampfmittelräumdienst festgelegten Verankerungspunkten mit einem hydraulischen Hammer ca. 3 Meter tief in die Erde getrieben. Danach wurden die Erdanker mit einem „hydraulischen Auszugsgerät“ verriegelt. Mit diesem Gerät kann sofort ermittelt werden, welche Last der Anker halten kann. Jeder Anker kann mindestens 4 Tonnen Zugbelastungen standhalten, je nach Bodenklasse auch mehr.

In der Krone des Baumes brachten unsere Baumpfleger in der ermittelten Höhe Sicherungsgurte, die sog. Anschlagpunkte für die Seile an. Diese wurden mit dem Erdanker über ausreichend dimensionierte Drahtseile verbunden und auf Spannung gebracht.

Die gesamten Windlasten in der Krone der gesicherten Bäume könnten nun von den von uns gesetzten Erdankern aufgenommen werden und den Baum gegen Bruch im Stammfuß sichern.

Die Betreuung der Hausarbeit und vor allem die konstruktive Zusammenarbeit mit den Studenten Heiko Breuer und Marco Kraes, die die Sicherung der Silberlinde geplant haben, hat uns viel Spaß gemacht.

Wir möchten uns auf diesem Wege auch vielmals bei Herrn Prof. Bouillon und Herrn Holtmann, sowie Herrn Welzel für die gute Zusammenarbeit und das uns entgegengebrachte Vertrauen bedanken.

Wir hoffen, dass wir auch zukünftig weiterhin den einen oder anderen Baum sichern können und so dazu beitragen, dass die an der FH vermittelte Theorie in der Praxis weiter genutzt wird.